Neusser Arzt schockiert über Israel-Hass und die Haltung des Neusser Schützenkönigs

Der renommierte Neusser Arzt Dr. Karl-Heinz Munter ist wie viele Menschen aufgerüttelt. Die Bilder von zerfetzten Kinderleichen in ihren Bettchen und ein Interview aus dem Fernsehen (ZDF) des Neusser Schützenkönigs Christoph Heusgen wühlen ihn auf. Er schrieb an den Chefredakteur der Rheinischen Post, Moritz Döbler, und bekam eine für ihn unbefriedigende Antwort. Seine Meinung zum Hamas-Terror scheint unerwünscht und nicht druckreif. Anders als viele andere Medien, die in der Folge teils heftige Kritik geäußert hatten, war in seiner Heimatzeitung wenig zu finden. Auch seinen Leserbrief veröffentlichte seine Hauszeitung bislang nicht. Dr. Munter wandte sich an Rheintoday- Chefredakteur Frank Möll führte mit dem Arzt ein langes Gespräch in seinem Selikumer Domizil.

Hamas-Terror: Neusser Arzt Dr. Karl-Heinz Munter fassungslos über die Grausamkeit der bestialischen Kinder-Mörder

Rheintoday: Herr Dr. Munter, Sie kommen aus einem jüdischen Umfeld und mussten miterleben, wie die Hamas in Israel Kinder, Frauen und Senioren abschlachtete. Wir haben die grauenvollen Videos gesehen, wo Eltern vor Schmerz und Verzweiflung schreiend mit ansehen müssen, wie ihre flehenden kleinen Kinder zerstückelt werden, wie Senioren erschossen und junge Mädchen entführt werden. Gestern war der türkische Präsident im Kanzleramt, der das Existenzrecht Israels negiert. Wie empfinden Sie diesen Staatsbesuch?

Nachdem Rheintoday über die Angriffe auf den Neusser Schützenkönig berichtet hatte, greifen jetzt viele überregionale Medien das Thema auf. Dr. Munter bemängelt, dass seine Hauszeitung „NGZ- RP“ das Thema bis heute offenbar als irrelevant ansieht.

Dr. Munter: Ich bin fassungslos, dass Steinmeier und Scholz dem Israel-Hasser in Berlin den roten Teppich auslegen. Dass man mit Erdogan reden muss, halte ich schon für notwendig. Die Türkei spielt eine wichtige Rolle in dieser Region. Aber aufgrund seiner antisemitischen Haltung und des Hochjubelns der Hamas als Freiheitskämpfer-Organisation hätte ein reiner Arbeitsbesuch ausgereicht, um die anstehenden Probleme zu besprechen. Wenigstens hat der Bundeskanzler sich sehr deutlich zu Israel und gegen Antisemitismus gegenüber dem türkischen Gast bekannt.

Rheintoday: Die NGZ und die Rheinische Post haben nach der Erstberichterstattung auf dem Nachrichtenportal Rheintoday – anders als viele überregionale Medien – die Kritik am Interview von Schützenkönig Christoph Heusgen im ZDF vom 24.10.2023 nicht thematisiert. Sind Sie darüber verärgert. Warum so sehr?

Dr. Munter: Ja, ich habe Herrn Chefredakteur Döbler geschrieben und ihn gebeten, die Beweggründe für die Nicht-Berichterstattung in der NGZ zu erörtern und mich darüber zu informieren. Hintergrund meiner Anfrage war auch, dass Herr Schützenkönig Heusgen im Heute-Journal vom 24.10.2023 ein Interview gegeben hatte, in der er von einer „Hamas-Aktion“ sprach.  Herr Heusgen spricht von einer „Aktion“ und nicht von einem unmenschlichen, einem in seiner Grausamkeit nicht zu überbietenden Massaker. Diese Relativierung war für mich unerträglich. Der Unmut einiger Schützen wurde nach dem Erstberichterstattung im Rheintoday-Portal sogar an zwei Tagen hintereinander auf der Titelseite des EXPRESS und in anderen Medien analysiert, nicht aber in der NGZ thematisiert. 

Rheintoday: Wie hat Chefredakteur Moritz Döbler auf ihre Rüge reagiert?

Dr. Munter: Herr Döbler hat mir nach einigen Tagen geantwortet und mir mitgeteilt, dass er Christoph Heusgen für einen integren Mann halte, der überhaupt kein bisschen zur Relativierung dieses bestialischen Angriffs neige. Als außenpolitischer Berater von Angela Merkel habe er ja ihre klaren Worte zur deutschen Staatsräson mitgeprägt. Döbler wörtlich: „Trotzdem hätten wir darüber berichten können und vielleicht auch sollen, aber es war am Ende ein Platzproblem“. Dies war für mich eine inakzeptable Antwort.

Rheintoday: Vermutlich war Herr Döbler mit der Thematik gar nicht befasst. Der für den Lokalteil zuständige Vize-Chefredakteur Horst Thoren ist ein mächtiger Schützen-Funktionär und mit Schützenkönig Heusgen verbunden. Hat er hier den von Ihnen mehrfach zitierten Welpenschutz ausgerufen? Sie hatten mir ja Ihre Gesprächsnotizen zur Verfügung gestellt.

Dr. Munter: Ich hatte natürlich schon vor der Kontaktaufnahme mit Herrn Döbler die NGZ kontaktiert. In dem Telefonat mit der Redaktion teilte diese mit, dass nach Absprache der NGZ-Redaktion mit dem Neusser Schützenverein und Vertretern der Neusser jüdischen Gemeinde eine Berichterstattung hierzu nicht relevant sei.

Rheintoday: Nicht relevant? Herr Döbler begründete seine berechtigte Verweigerung, das Thema aufzugreifen doch mit einem Platzproblem in der Zeitung?

Dr. Munter. Ja. Nicht relevant. Aber einige Tage später erschien in Döblers Zeitung ein großer Artikel über Herrn Hamdi Berdid, den Vorsitzenden des Neusser Integrationsausschusses. Anlass dafür sind antiisraelische Beiträge, die er in sozialen Medien geteilt und kommentiert haben soll. Intern sollte von einigen Fraktionen schon über die Möglichkeiten einer Abwahl überlegt worden sein, bevor eine von ihm eingeforderte Stellungnahme bis zum 19.11.2023 vorlag, so die NGZ weiter. Heute am 18.11.2023 folgte ein weiterer großer Artikel zu dieser Angelegenheit und ich bin sicher, nicht der letzte. Aber bei Herrn Heusgen herrschte „Platzmangel“. Hier wird in der NGZ mit zweierlei Maß gemessen. Herr Berdid ist nun einmal kein Neusser Schützenkönig und keine bundespolitische Persönlichkeit (Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz) und genießt daher keine Art „Welpenschutz“! Die Cancel-Culture-Mechanismen gelten nur für andere. Von der Mitte der Gesellschaft wird eine klare und eindeutige Haltung gegen jegliche Form des Antisemitismus erwartet. Für die Neusser Medien und einige Würdenträger scheint das nicht zu gelten.

Hier die Erstberichtersattung von Rheintoday, auf die sich viele überregionale Medienhäuser in Deutschland berufen haben. KLICK!

Alle großen deutschen Medien berichteten

Rheintoday: Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Türken, Nordafrikaner und generell die Mehrheit der starken muslimischen Gemeinschaft durchweg gegen Israel eingestellt sind. Wirtschaftsunternehmen wie die Rheinische Post müssen natürlich auch auf ihre Anzeigenkunden achten. Viele von den Geldgebern sind muslimische Geschäftsleute. Die Migranten sorgen zudem für ein judenfeindliches Gesamtklima. Da sieht sich ein Leitmedium wie die Rheinische Post möglicherweise in der Verantwortung, den gesellschaftlichen Frieden zu wahren. Was empfinden Sie, wenn Sie hören, dass wir im besten Deutschland aller Zeiten leben?

Dr. Munter: Ich bin schon überzeugt, dass wir in Deutschland sehr gut leben und dafür sollten wir auch dankbar sein. Wir müssen aber gemeinsam hart dafür arbeiten im physischen und moralisch-ethischen Sinne. Wenn für Deutschland mit Blick auf den Holocaust die Sicherheit Israels Staatsraison ist, wie Bundeskanzlerin Merkel am 18. März 2008, dem 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israels festgestellt hat, müssen den Worten auch die entsprechenden Taten folgen. Hier sehe ich in vielen Bereichen noch erheblichen Nachholungsbedarf, wie auch bei der „Causa Heusgen und NGZ“.

Rheintoday: Mich persönlich lassen aber auch die Bilder und Videos von den getöteten und durch Trümmer zerquetschten Kinder im Gaza-Streifen keine Ruhe. Hat Herr Heusgen nicht Recht, wenn er für eine Waffenruhe eintritt, damit nicht noch mehr Zivilisten sterben müssen?

Dr. Munter: Zunächst stand die Welt für einige Tage auf der Seite Israels. Mir war klar, dass dies nicht lange anhalten wird. Und so ist es gekommen, dass jetzt Israel in den Hauptfokus der Kritik gerät. Die UN-Resolution, die die Hamas nicht eindeutig als Urheber für den grausamen Überfall auf Israel identifiziert, in der Deutschland sich enthält, zeigt, dass Israel alleine einen Kampf gegen den Terror führt. Keine internationale militärische Allianz wie gegen den Islamischen Staat wird geschmiedet. Israel wird alleine gelassen mit der Aufgabe, die Hamas so zu schwächen, dass sie niemals wieder zu so einem Massaker fähig sein wird. Pro-Palästina- und Pro-Israel-Demonstrationen zuhauf aber keine Anti-Hamas-Demonstration habe ich zumindest bislang registriert. Dennoch muss Israel alles tun, um bei ihrem Krieg gegen die Hamas so gut wie möglich die Zivilbevölkerung außen vor zu lassen. Es ist aber die Hamas, die Ihre eigene Bevölkerung, Kinder und Kranke als menschliche Schutzschilde benutzen und meiner Meinung nach primär den Tod von der Zivilbevölkerung in Kauf nimmt. Auch das kommt in der Weltöffentlichkeit all zu wenig in den Fokus.

Rheintoday: Wie bewerten Sie den Vorgang um Ahmad Tamin?

Dr. Munter: Es ist unerträglich, diesem Hassprediger zuzuhören. Es ist unerträglich, dass dieser Mann vor so vielen Zuhörern steht, es ist unerträglich, dass es diesem Mann nicht verboten wird, öffentlich aufzutreten, er wird immerhin vom Verfassungsschutz beobachtet, und seinen Hass gegen Israel zu verstreuen. Hier ist ein solches Beispiel, wo den Worten zur Staatsraison bezüglich Israel die entsprechenden Taten fehlen. Fassungslos macht aber, dass er die Verbalien von Guterres und auch von Herrn Heusgen bei seinen pro-palästinensischen oder besser anti-israelischen Demonstrationen benutzt. 

Rheintoday: Danke für das Gespräch

Das Gespräch fasste führte Rheintoday-Chefredakteur Frank Möll

Welches Leid Schützenkönig Christoph Heusgen erfahren musste, als er im Wintersportort Aspen (USA) seine kleine Tochter bei einem schrecklichen Unfall verlor. Setzt er sich deswegen so sehr für eine Waffenruhe ein, damit das Sterben der Kinder in Gaza endlich aufhört? Dafür haben alle Neusser und auch Dr. Karl Heinz Munter Verständnis. KLICK!

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