Fraktionschef Weber hat keine Lust auf Olafs Faxen

Dormagen. Er hat sich das Kaspertheater um Parteichefin Anissa Saysay lange genug angeschaut. Jetzt haut Dormagens CDU-Fraktionschef Kai Weber auf den Tisch und fordert den offenbar von Altbürgermeister Olaf Hoffmann gesteuerten Parteivorstand auf, den angekündigten Stadtparteitag wie zugesagt zu realisieren. „Wir als Fraktion und die gesamte Partei brauchen vier Wochen nach dem gescheiterten Treffen endlich Klarheit. Dormagen und Deutschland haben große Probleme, die es zu lösen gilt. Es kann nicht sein, dass Frau Saysay nach der desolat geplanten Stadtverbandssitzung immer noch keinen großen Saal für die notwendige Versammlung gefunden hat“, so Weber beim Empfang der Rheintoday-Redaktion in den Räumen der größten Dormagener Opposition, die auch aufgrund des Bundestrends Chancen hat, die Stadt Dormagen ab der kommenden Kommunalwahl 2025 führend zu gestalten.

 

Bei der SPD läuft sich bereits Erik Lierenfelds Parteifreund Michel Dries warm, der sich staatsmännisch mit Krawatte und Maßanzug auf dem Gelände der Zuckerfabrik ablichten lässt. Ein möglicher Rückzug Lierenfelds (Rheintoday berichtete) wäre für die SPD ein Problem und für die CDU ganz gut, würde sie sich nicht selbst ein Bein stellen.

Drohungen mit juristischen Mitteln, persönliche Verleumdungen und Herabsetzungen, falsches Zeugnis ablegen und unbescholtene Mitglieder mit Intrigen und einem Komplott beschädigen- „das alles möchten die Bürger dieser Stadt nicht. Sie wollen, dass sich die Politik um ihre Sorgen kümmert und die hochverschuldete Stadt endlich wieder auf Kurs bringt.“ Alt-Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann sei nach seiner blamablen Wahlniederlage gegen den aktuellen SPD-Bürgermeister Erik Lierenfeld aus der CDU ausgetreten und hat es genossen, dass die Union in  Dormagen dahindämmerte, so Analysten aus dem Rathaus. Jetzt wolle er sich an der Fraktion um Jo Deußen rächen. Hofmann sieht die Hauptschuldigen seiner Niederlage gegen Lierenfeld im parteiinternen Dolch, den ihm seine eigenen Leute um Deußen und Ex-Bürgermeister Hauschild in den Rücken gestoßen hätten. Jetzt wolle Hoffmann „persönliche Gerechtigkeit“.

Rheintoday-Chefredakteur Frank Möll besuchte die CDU-Fraktion in Dormagen und sprach mit Fraktionschef Kai Weber.
Foto: Carola Westerheide

Und der Mann haut als alter Polit-Fuchs mächtig auf die Pauke: Peter Olaf-Hoffmann hatte gegenüber den Medien suggeriert, dass die Kandidatin Alana Voigt die amtierende Parteichefin Anissa Saysay an Rosenmontag in Zons als eine „Türkenfotze“* tituliert haben soll.

„Solche Beleidigungen gehören nicht zum Wortschatz von Frau Voigt“, so Kai Weber, der keine Lust mehr auf Olafs Faxen hat. Peter Olaf Hoffmann aber betont, dass er über Umwege „gehört“ habe, dass dieses vulgäre Wort beim Karneval in Zons aus dem Munde der Kandidatin Voigt gefallen sein soll und hat die Staatsanwaltschaft aufgefordert, Zeugen zu suchen. Die gibt es offenbar nicht. 

Kai Weber reicht jetzt die ganze Unruhe, die durch die Partei wabert, seitdem Olaf wie „Kai aus der Kiste“ wieder aufgetaucht und Parteimitglied geworden ist. „Die CDU-Fraktion arbeitet sehr erfolgreich und freundschaftlich mit Alana Voigt und auch mit Frau Saysay zusammen. Gemeinsam hat die Fraktion den Ruf der CDU Dormagen als kompetente Vereinigung von Kommunalpolitikern wieder hergestellt. Wir haben aufgedeckt, dass die Wahrheit die Grünen in Dormagen regieren und die SPD nur der Juniorpartner ist. Es macht allen wieder Freude, im Rat und in den Ausschüssen mitzuarbeiten“, betont Kai Weber, der wichtige Anträge gerne gemeinsam mit seiner Kollegin Anissa Saysay unterzeichnet.

Olaf, was ist mit dir los? Warum sorgst du ausgerechnet jetzt für Unruhe? Willst du nicht, dass die CDU nach deiner glanzvollen Ära wieder eine Rolle spielt? Fragen, die sich nun viele Bürgerinnen und Bürger von Stürzelberg bis Hackenbroich stellen.

Anissa Saysay ist bislang weniger mit kommunalpolitischen Themen aufgefallen, dafür nimmt sie an Podiumsdiskussionen in Hessen teil, wo sie dafür kämpft, dass Männer aus dem beruflichen und politischen Alltag zurückgedrängt werden sollen. „Wir wollen 50 Prozent der Posten für Frauen“, fordert Saysay, die ausgerechnet ihr Herkunftsland Marokko als frauenfreundlich lobt, weil Marokko Frauen als Diplomaten nach Deutschland entsende. Saysay: „Mehr Frauenpower geht nicht.“ Dass in marokkanischen Dörfern immer noch die Mädchen beschnitten werden und Frauen zum Beispiel bei den Fantasia-Reiter-Wettbewerben nur mit Genehmigung ihrer Ehemänner oder Brüder teilnehmen dürfen, wischt sie offenbar weg.

Fünf Prozent der marokkanischen Mädchen werden vor ihrem 15. Lebensjahr mit fremden Männern zwangsverheiratet. 30 Prozent der Ehefrauen sind dort unter 18. Wenn ein Ehemanns eine Ehefrau schlägt, ist dies in Marokko keine Straftat. Die Vergewaltigung in der Ehe ist dort erlaubt. Die Frauenrechte-Organisation „Terres des Femmes“ sieht anders als Frau Saysay die Situation der Frauen in Marokko als desolat an.

Auch dass die diplomatischen Beziehungen von Deutschland zu Marokko eisig sind, scheint Anissa Saysay bei ihren Lobeshymnen über Marokko nicht zu interessieren. Ihr Herkunftsland nimmt straffällig gewordene Flüchtlinge, die Deutschland abschieben will, nur sehr zögernd zurück. Dass Anissa Saysay  den marokkanischen König Mohammed VI. zum Vorbild hat und wie er brutal und diktatorisch durchregieren will – soweit wollen ihre Kritiker zwar nicht gehen, dennoch sehen sie die Vorwürfe, dass Anissa Saysay die Zusammensetzung der Parteimitglieder manipuliert haben soll, sehr kritisch.

Die engagierte Dormagener Ratsfrau Carola Westerheide stellt fest: „Wir haben gar nicht 50 Prozent Frauen, die sich diese Intrigen antun und Politikerin sein wollen.“ Auch die Dormagener Frauenunion sieht Frau Saysay kritisch. Die FU-Vorsitzende fordert einen zügige Terminierung des Parteitages. Stefanie Johannsen gegenüber Rheintoday: „Über 60 Mitglieder haben beim Stadtverbandsvorstand den nach der Satzung zulässigen Antrag gestellt, unverzüglich eine Mitgliederversammlung einzuberufen“, so die Vorsitzende der Dormagener Frauen-Union, Stefanie Johannsen. Sie will damit Frau Saysay die „Taktik“ vermiesen, die Krise der Union Dormagen „auszusitzen“. Nach Überzeugung vieler Parteimitglieder hofft Saysay, dass ihre geworbenen Neu-Mitglieder, für die sie die Mitgliedsgebühren übernommen haben soll und die teilweise bei ihrer Wohnadresse am Raphaelsweg gemeldet sein sollen, auch mitstimmen dürfen, nachdem der Kreisvorstand der CDU die Aufnahme teilweise verweigert hat. Peter Olaf Hoffmann gab Rheintoday jetzt den Hinweis, dass der Bundesvorstand die Aufnahme der Neumitglieder positiv sieht.

Fraktionschef Kai Weber hat alle 101 Neumitglieder eine Mitarbeit bei der CDU Dormagen und ein Info-Gespräch angeboten. „Nur einer hat sich gemeldet“, sagt er vielsagend. 

Frank Möll

*Die Redaktion von Rheintoday hat überlegt, ob sie den von Alt-Bürger Peter-Olaf Hoffmann ins Spiel gebrachte Begriff „Türkenfotze“ hier zitieren sol. Wir haben uns dafür entscheiden, weil dies ein relevanter Vorgang ist und die Öffentlichkeit ein Recht auf Befassung mit diesem Thema hat. Ob diese Beleidigung jemals getätigt wurde, ist zweifelhaft, da Frau Saysay gar keine türkischen Wurzeln hat, sondern aus Nordafrika (Marokko) abstammt. „Fotze“ ist eine vulgäre Bezeichnung für die primären weiblichen Geschlechtsorgane. Schimpfwort-Experte Martin Fischer springt indes Peter Olaf Hoffmann bei: Man könne auch eine Marokkanerin „Türken-Fotze“ nennen. Er werde auch der „bleiche Afrikaner“ genannt.

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