Sexismus-Vorwurf gegen Landrat Petrauschke

Grevenbroich. Mitarbeiterinnen des Elisabeth-Krankenhaus in Grevenbroich sind empört. „Als was sieht uns junge Pflegerinnen der Landrat? Sicher nicht als kompetente medizinische Fachkräfte, sondern nur als schmückendes Beiwerk und Objekte der Begierde eines geschlechtsreifen Gockelhahns im Korb“, wendet sich eine Mitarbeiterin des Rheinland-Klinikums an rheintoday.de.


Was war passiert? Bei einer Demonstration für den Erhalt des Krankenhauses ergriff auch Landrat Petrauschke das Wort, der als Lenker des übergeordneten Rheinland-Klinikums maßgeblichen Einfluss auf eine mögliche Schließung des Standortes herbeiführen könnte. In aufgeheizter Atmosphäre und unterbrochen von vielen Buh-Rufen machte er einen Altherrenwitz, den er allerdings schon bereut, wie aus seinem Umfeld zu hören ist:


„Ich selbst habe drei Jahre im Schwesternwohnheim hier gewohnt und sie können sich vorstellen, dass ich eine starke Beziehung hier zu dem Ort habe. Ich weiß, dass sie mich beneiden, ähem, um diese drei Jahre im Schwesternwohnheim. Aber es ist halt so…“


Insbesondere die angesprochenen Krankenschwestern buhen ihn daraufhin gnadenlos aus, während einige männliche Passanten über den Gag schmunzeln.

Zum Hintergrund: In Grevenbroich und Neuss ist es üblich, Spitzenbeamte in Lehrschwesternwohnheimen unterzubringen, wenn sie nicht an den Ort ihrer Arbeitsstelle umziehen wollen. Der Neusser Beigeordnete Stefan Hahn wurde in der Tat bei launischen Herren-Bierrunden an der Theke mit seinem Wohnort inmitten der jungen Lehrschwestern aufgezogen.

Brisant allerdings: Der Landrat hatte zuvor den Chef des Rheinland-Klinikums und damit auch des Grevenbroicher Krankenhauses, Nicolas Krämer, wegen eines weit weniger groben Scherzes aus der Führungsetage entfernen lassen. Krämer hatte in einem Interview mit dem ehemaligen Stadt-Kurier-Journalisten André Scheidt darauf hingewiesen, dass es überall auf der Welt „vielleicht“ auch Krankenschwestern geben könnte, die sich in einen Chefarzt verlieben und diesen heiraten möchten, was ja sogar in der beliebten ZDF-Serie „Schwarzwaldklinik“ rund um Professor Brinkmann und Schwester Christa thematisiert ist.

Rheintoday.de sprach gestern mit Nicolas Krämer, dem das Video zur Hahn-im-Korb-Aussage von Landrat Petrauschke vorliegt. „Ist das Video echt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Landrat das so gesagt hat und möchte mich dazu nicht äußern.“

CDU´ler im Rheinkreis Neuss befürchten nun, dass die Aufholjagd von CDU-Bundestagskandidat Hermann Gröhe kurz vor einer wichtigen Richtungswahl konterkariert würde, obwohl Petrauschke demonstrativ Unterstützer-Anzeigen veröffentlicht (Foto).

Zum Hintergrund: Im Netz rufen jetzt Freundinnen und Freunde des Krankenhauses dazu auf, der CDU die Stimme zu verweigern.


Piero Madaro: „Politiker zeigen ihr wahres Gesicht immer nach der Wahl.“

„Leute, nach der Wahl ist vor der Wahl… Beim nächsten Mal ist der hoffentlich weg. Hat mir, und bestimmt vielen anderen letztes Jahr vor der Wahl eine Freundschaftsanfrage geschickt. War auf Stimmenfang aber habe ich sofort gelöscht.“ Da Petrauschke sich aus Altersgründen nicht zur Wahl stellt, solle nun Hermann Gröhe einen „Denkzettel“ bekommen, der als langjähriger Kreisparteichef Petrauschke überhaupt erst stark gemacht habe, heisst es.

Konny Schmitz-Nyerup: „Der sollte sich was schämen. Noch nie so einen unsympathischen Menschen kennengelernt.“


„Vor den Wahlen einfach überlegen wer regiert hat und dann die Quittung verteilen. Aber was sind Menschenleben schon noch Wert in Zeiten, wo der Profit gesichert werden muss“, so Kevin Diener


Anne Klein meint sogar: „Der Landrat ist seit jeher ein Mensch mit zwei Gesichtern und mir sehr unsympathisch. Mittlerweile hat kein Politiker etwas Menschliches an sich. Wenn man an frühere Politiker aus der Vergangenheit denkt, zum Beispiel Hans-Gottfried Bernrath – das war noch einer, der menschlich war.“ Dieses vernichtende und vielleicht ungerechte Urteil ist sicher mit der allgemeinen Angst einer Schließung des Krankenhauses erklärbar. Petrauschke sagte, dass schon heute niemand mit einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall mit dem Rettungswagen nach Grevenbroich verbracht wird.


Dies sei allerdings nicht bei inneren Blutungen oder schweren Verletzungen der Fall. Siegfried Fanter: „Ich wäre dafür, dass alle Personen, die für die Schließung sind, einmal einen Unfall haben, und mitbekommen, wie der Krankenwagen-Fahrer sagt: Wäre der Verkehr nicht gewesen wäre er durchgekommen.“ Frank Möll

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