Will die CDU Zons einmauern?

Dormagen. Riesen-Proteste gegen die „Zonser Mauer“ am Rhein. Acht wichtige Deich-Schützer vom so genannten Erbentag haben sich gegen fünf Befürworter einer mobilen Wand durchgesetzt. Will heißen: Wenn die Gegenbewegung keinen Erfolg hat, wird Zons bald eingemauert und die freie Sicht auf den Rhein verbaut. Später soll dann auch Stürzelberg zubetoniert werden. Für den Tourismus- aber auch für die einheimische Bevölkerung ein dauerndes, dann nicht mehr zu reparierendes Ärgernis. Insbesondere die heimische Bauernschaft will eine hässliche Mauer, obwohl auch die mobile Wand sicher gegen die drohenden Fluten Leben retten kann. Spargelbauer Kallen fürchtet um seinen Besitzt, seine Ernte und zieht im Hintergrund so manchen Faden bei seinen Mannen im Erbentag.

Samstagvormittag, die Sonne scheint, klarer Himmel. Er ist der Schützer unserer Sicherheit: Deichgräf Peter-Gert-Olaf Hoffmann, zweifacher Ex-Bürgermeister von Dormagen und aktuell neuen CDU-Fraktionschef ist nicht „abgehoben“. Der Ex-Richter und ehemalige Chef der großen Kölner Müllverbrennungsanlage protzt nicht mit seinem Wohlstand, ist sich nicht zu schade als Karnevals-Sitzungspräsident für Stimmung zu sorgen und marschiert als Schütze im Stürzelberger Regiment mit. Hoffmann kauft nicht wie viele seine Düsseldorfer Parteifreunde und Rheintoday-Herausgeber bei „Zurheide Feinkost“ auf der Berliner Allee ein, sondern ist fast täglich im Lidl am Weißen Stein zu sehen. Am Samstag besorgte er für seine liebe Frau Bärbel etwas Obst, frisches Gemüse. Er schaut nachdenklich in die Auslagen und weiß, dass es nur wenige Minuten bedarf, bis hier alles vernichtet ist. Entweder wegen bekloppter Weltpolitiker oder wegen der Kraft der Natur. In der Neuß-Grevenbroicher Zeitung war an diesem Tag ein Warnruf zu lesen. Er forderte eine Bestandsaufnahme der Schutzräume.

Lange ist nichts passiert, doch das nächste schlimme Jahrhunderthochwasser kann jederzeit Rheinfeld, Zons, Stürzelberg aber auch die gesamte Stadt Dormagen bedrohen. Nach neuesten Berechnungen müssen die Deiche und die Hochwasserschutzmauer in der Zollstadt und auch in Stürzelberg um einen Meter erhöht werden. Dies würde bedeuten, dass Spaziergängern und Radfahrern das ganze Jahr über die Sicht auf den Rhein nicht mehr möglich ist.

Moderne Akteure des Deichverbandes Dormagen, die offen für Innovationen sind, streben daher die Installation einer so genannte  Aqua-Wand der Firma Aqua Burg (Münster) gegen drohendes Hochwasser an. Eine Riesen-Mauer, die die dauerhafte Sicht auf den Rhein verhindert, könnte mit der Neuentwicklung elegant und innovativ verhindert werden. (Rheintoday berichtete hier: https://rheintoday.de/neue-mammut-deichmauer-schockt-buerger/)

Bei der mobilen Wand aus stabilen und statisch starkem Drahtgeflecht (wie unterhalb der Golden-Gate-Brücke in San Franzisco als Sicherheitsnetz) und Starkfolie handelt es sich (anders als Alu-Dammbalkensysteme) um ein geschlossenes System, dass sich das ganze Jahr über im Bereitschaftsmodus befindet und direkt unterhalb der Deichmauer gelagert wird. Alles ist sicher miteinander verbunden, nichts kann verloren gehen oder gestohlen werden. Es gibt keine Schrauben, der Aufbau ist simpel, alle Komponenten werden aus dem Kanal innerhalb der Mauer gezogen, ineinander gesteckt und verbolzt.

In zahlreichen Tests mit Baumstämmen als Treibholz oder bewussten Beschädigungen der Wand konnten Fachleute eine enorme Stabilität feststellen. Foto: Frank Möll

Mit dem System ist schnelles, gezieltes Handeln mit minimalem Aufwand von Jedermann umsetzbar. „Erfahrene Einsatzkräfte werden entlastet, wertvolle Zeit und Manpower sind frei für weitere entscheidende Hochwasserschutzarbeiten, zum Beispiel die von Hochwasser, Starkregen und Überflutung gefährdete kritische Infrastruktur managen“, erklärt Hochwasser-Experte Hartmut Wibbeler den Fachleuten des Deichverbandes Dormagen vor einem Jahr auf dem Gelände der Zonser Feuerwehr.

Rheintoday berichtete damals als erstes Medium, andere Medien zogen nach: Schock an der Riesen-Mauer zwischen Zons und der Krananlage im Stürzelberger Norden. Sie soll zeitnah um einen Meter erhöht werden! Kostenkalkulation: 150 Millionen Euro für den gesamten Ausbau der Dormagener Hochwasserschutzanlagen!
Am Zonser Antonius-Häuschen zeigt der renommierte Dormagener Rechtsanwalt Adolf Robert Pamatat ein anschauliches Modell, das die neue Gesamthöhe veranschaulicht. Pamatat ist Mitglied des Erbentages und steuert seit Jahren auch mit dem stellvertretenden Deichgräfen Franz Josef Bauers die Belange des Dormagener Deichverbandes, der die Menschen vor drohenden Überflutungen rettet.
Franz Josef Bauers hatte das Modell der Mammut-Mauer angefertigt, damit die Bürger „mal sehen, was auf sie zukommen könnte.“ Zielrichtung sei natürlich der Tod dieses Monstrums, da es bessere Lösungen gibt.
Fachleute vom Deichverband begutachteten in Rheine eine mobile Hochwasserschutzanlage an, die das dortige Hochwasser der Ems in sichere Bahnen fließen lässt. Die Firma Aqua Burg aus Münster hat viele Innovationspreise gewonnen. Oberhalb der Mauer kann binnen 20 Minuten eine mobile Schutzwand errichtet werden, die einfach ausgeklappt wird.

Das Modell der hässlichen Riesenmauer macht den Passanten deutlich: DasMonstrum wird die Aussicht auf den Rhein samt Rheinaue gänzlich versperren. Auch Radfahrer haben dann auf der beliebten Strecke am Deich keine Möglichkeit mehr, den Fluss zu sehen. Der CEO (Oberchef) der Aqua Burg, Hartmut Wibbeler, reiste schon im Februar 2025 nach Zons, um im Sitzungssaal der Feuerwehr das Projekt dem Deichverband vorzustellen. Auch der Dormagener Deichgräf Joachim Fischer gehörte damals zu den Skeptikern der Vorrichtung, zeigte sich aber vom Vortrag des Fachmanns „positiv angetan“. Sein Nachfolger Peter-Olaf Hoffmann scheint aber nun auf eine feste Mauer zu setzen und legte sich bei der jüngsten Sitzung des Erbentages im Sitzungssaal des Rathauses mit Franz-Josef Bauers an. Zwischen beiden herrscht derzeit keine heimelige Atmosphäre. Bauers verließ den Saal, um zu telefonieren. Hoffmann hatte ihn mehrfach ermahnt, keine Telefongespräche zu führen, während er die Sitzung leitete.

Der Dormagener Rechtsanwalt Adolf Robert Pamatat zählt mit Vize-Deichgräf Franz Bauers zu den Befürwortern der smarten Hochwasserschutz-Lösung. Foto: Frank Möll

Franz-Josef Bauers gehört wie Rechtsanwalt Adolf Robert Pamatat zu den treibenden Kräften, die alles rund um den gefährlichen Rheinstrom im Auge haben. Auch Treibgut! Forschungen und Versuche zeigen, dass auch große Baumstämme, die der Rheinstrom gegen die mobile Wand aus Drahtgeflecht und Folie rammen lässt, der Konstruktion nicht anhaben können. Sollte dennoch ein Leck auftreten, kann dieses unter Volllast der Anlage leicht repariert werden. Dies alles zeigte Aqua Burg CEO Hartmut Wibbeler den anwesenden Fachleuten.

Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann diskutiert mit Aqua Burg-Chef Hartmut Wibbeler das Genehmigungsverfahren. Foto: Frank Möll

Während einer Begehung am Rhein kommt es auch diese Woche zum Unmut vieler Bürger: „Das ist ja wie früher in Ost-Berlin. Die DDR-Bürger wurden auch durch eine hohe Mauer eingesperrt!“

Adolf Robert Pamatat ist fassungslos über die Ideen der politisch gesteuerten Regierungsstellen. „Es gibt sicher elegantere Lösungen als einen Stein-Koloss zu errichten. Die klappbare Anlage von Rheine kommt auch für Zons und Stürzelberg infrage und ist die bessere Lösung.“

An Pamatats Seite steht Erik Heinen vom Bundeswehr-Reservistenverband. Die Frauen und Männer stehen bereit, in Windeseile die versenkbaren Wände aufzubauen, wenn ein Jahrhunderthochwasser droht, was ja stets rechtzeitig angekündigt wird. Heinen ist selbst führender Florianer bei der Werksfeuerwehr des Chemparks. Obwohl der Deichverand ehrenamtlich geführt wird, vertrauen die Bürger den Hochwasser-Schützern seit vielen Jahrzehnten.

Ob sich die Bezirksregierung Düsseldorf auf die Idee von Bauers, Hoffmann und Pamatat einlässt, muss abgewartet werden. Als Deichaufsichtsbehörde überwacht und koordiniert sie alle Aktivitäten im Regierungsbezirk. Das Aufgabenspektrum reicht von der Genehmigung der Deichbauvorhaben über die Bewilligung von Fördermitteln bis hin zur Bau- und Betriebsüberwachung der Hochwasserschutzanlagen.
Die Bezirksregierung Düsseldorf ist auch Aufsichtsbehörde über die einzelnen hochwasserschutzpflichtigen Deichverbände und Kommunen. Eine endgültige Entscheidung ist hier nicht gefallen, weil auch Wissenschaftler positiv über eine mobile Wand referieren. Alles Tests verliefen gut.

Hinter Dormagen im Süden am Höhenberg fällt der Hochwasserschutz ab. Kölns Deiche liegen 50 Zentimeter unterhalb des Dormagener Niveaus. „Während Dormagen trocken bleibt, säuft Köln ab“, witzelte Hoffmann schon im vergangenen Jahr, denn in Höhe der Bundesstraße soll mit einer Querverriegelung Dormagen von Köln abgesichert werden, so dass das Hochwasser den Chempark überfluten wird. „Vom Hinterland wird die Flut dann Dormagen erreichen und einschließen“, munkeln Kenner der Situation.
Rund 280 Kilometer an Hauptdeichen und sonstigen Hochwasserschutzanlagen befinden sich am Rhein im Regierungsbezirk Düsseldorf. Alle Deichanlagen im Regierungsbezirk schützen bis zu einer Höhe eines festgelegten Bemessungshochwassers. Das ist nun neu justiert worden, so dass eine Erhöhung der Mauer um einen Meter zwingend notwendig ist. „Das bestreiten wir vom Erbentag auch nicht“, so Adolf Robert Pamatat. „Allerdings wehren wir uns, dass die schreckliche Mauer als alternativlos angesehen wird.“

Hochwasserschutz ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Daher fordert Rechtsanwalt Adolf  Pamatat auch, dass nicht nur die Rheinfelder, Zonser und Stürzelberger Deichgebühren zahlen müssen, sondern alle Grundstückseigentümer im Dormagener Stadtgebiet. „Die dann auf viele Schultern verteilten Lasten sind minimal.“ Denn der Hochwasserschutz nutze auch den Nievenheimern, Gohrern oder Hackenbroichern. Deren Abwassersystem ist an die Rheinfelder Kläranalage angebunden. Sollte diese „absaufen“, würden die Fäkalien aus dem gesamten Dormagener Stadtgebiet nicht mehr abfließen können. Kanäle würden verstopfen, der Rücklauf der Fäkalien könnte im gesamten Stadtgebiet Seuchen auslösen. Hochwasserschutz sei für die gesamte Stadt Dormagen wichtig! 

Hält die mobile Wand aus Drahtgeflecht und Folia auch bei einem terroristischen Anschlag oder mutmaßlicher Sachbeschädigung? Hartmut Wibbeler: „Bei einem normalen Deich werden auch Deichläufer eingesetzt. Sicherheitskräfte müssen natürlich auch die mobile Wand bewachen.“ Rechtsanwalt Adolf Robert Pamatat: „Hier könnten wir ein Security-Auto einsetzten, das regelmäßig die Anlage abfährt und kontrolliert.“

Inge Gilz konnte sich bei den Wahlen zum Erbentag durchsetzen. Sie komplettiert nur das Gremium. 266 Wahlberechtigte hatten ihre Stimmen abgegeben. 104 wählten die engagierte Kämpferin für die Belange der Bürger rund um die Rheinwasser-Transportleitung zum aufgegebenen Tagebau. Bei einem Jahrhunderthochwasser würde aber auch die Ableitung dieser eher kleinen Menge in den demnächst zweitgrößten See Deutschlands nichts nutzen. 

Frank Möll

 

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